Montag, November 06, 2006

Wie ich es hasse...

Kürzlich entschied ich mich, meinem Kleiderschrank mal wieder einige modische Upgrades zu gönnen. Kleider kaufen. Was gibt es mühsameres?! Immerhin, wir haben Winter und darum ist die Durchschnittstemperatur an einem vernebelten Samstag nicht sonderlich schweisstreibend. Allerdings hat dieser Temperaturunterschied zum Sommer zur Folge, dass Kleiderläden ihre Heizung noch höher stellen. Schon während der Sommerhitze sind Modehäuser ja darauf bedacht, im Laden stets einige Grad wärmer zu haben als draussen in der Gluthitze. Aber eben, wir haben ja Herbst! Da muss so ein Laden auch mal richtig geheizt werden. So betrete ich also das Gebäude und versuche mich die ersten paar Minuten erst mal anzuklimatisieren. Von herbstlich angenehmen 15 Grad, zu stickigen 35 Grad nach nur einer Tür! Ich habe Glück. Der Laden hat viel Kundschaft und alle Verkäuferinnen sind somit beschäftigt. Das verschafft mir etwas Zeit. Trotzdem spüre ich, dass meine Schweissdrüsen den Befehl zum Fluten erhalten haben. Tief durchatmen. Geht nicht. Ist ja so verdammt stickig hier drin. Mist!

Da erkundigt sich auch schon jemand nach meinen Wünschen. Hosen brauch ich! Hosen werden mir gezeigt und langsam nähern sich die Modelle meinen Wünschen. Endlich halte ich 2 Paar in meinen Händen und warte auf eine freie Kabine. Ich muss die Hosen zur Seite legen. Es ist zu warm um sie auf dem Arm zu tragen. Alle Kabinen sind besetzt. Ich irre röchelnd im Laden umher. Wenn die Luft nicht zirkuliert, dann eben ich! Nützt nicht viel. Die nette Verkäuferin schmeisst einen anderen Kunden aus einer Kabine, damit ich die Hosen probieren kann. Mein Pulsschlag erhöht sich noch einmal. Ich weiss, was mich erwartet. Die Kabinen sind die schlimmsten Grotten in solchen Läden. Da ziehen sich die Leute ja um und darum müssen diese Orte besonders gut geheizt werden. Wäre ja tragisch, wenn sich da jemand eine Lungen- oder Blasenentzündung holt! Ich ziehe den Vorhang und ziehe mir erst mal sofort meine Hosen aus. Kurze Pause. Rein in die neue und sofort wieder raus da! Ich schlurfe langsam vor den nächsten Spiegel. Die Hose sitzt gut. Ist aber so ein blödes, kaputtes Designer-Miststück. Ich kauf doch keine kaputten Hosen! Das andere Paar ist besser. Die nehm’ ich. Zurück in der Kabine, bemerke ich, dass mein Sweatshirt seine Pflicht erfüllt und sich mit Schweiss voll saugt. Mit der eh schon kaputten Jeans trockne ich mich kurz ab bevor ich mich wieder anziehe und diese Hölle verlasse.

Dehydriert und kurz vor dem Erstickungstod lasse ich mich überreden, noch einige Oberteile anzusehen. Der Verstand ist unter diesen Bedingungen auch nicht mehr das, was er mal war. Abgesehen davon benötige ich durchaus auch Kleidungsstücke für den Oberkörper. Das anprobieren von solchen Teilen ist aber um einiges mühevoller als das überstreifen von Beinkleidern. Beine schwitzen ja nicht sonderlich viel. ... Das erste Hemd dient also wieder der Trockenlegung des Testgebietes. Danach habe ich mich dann noch für den Kauf von 2 langarmigen Shirts entschieden. Gute Ausbeute. Halb tot torkle ich auf die Strasse hinaus. Meine Lungen füllen sich mit kühler, frischer Luft. Ich schleppe mich zum nächsten Brunnen und fülle meinen Bauch mit lebenswichtigem Wasser. Dann werde ich ohnmächtig.

Irgendwann wache ich auf, nehme das mir von Passanten zugeworfene Geld in die Tasche und ärgere mich Zuhause über ein viel zu enges Oberteil. Naja, das darf ich dann halt nur in ausgedürrtem Zustand tragen.