Dienstag, Februar 20, 2007

Windmühlen-Staat

Es geht hier nicht um Energieprobleme. Auch wenn diese durch die Leerläufe unseres Staatsbetriebes locker gelöst werden könnten. Mittlerweile muss es etwa sieben Jahre her sein, dass ich Einsprache gegen die Forderung für Militärpflichtersatz erhoben habe. Meiner bescheidenen Meinung nach, besteht kein Anspruch auf eine Ersatzleistung meinerseits, wenn ich gar nicht verpflichtet werde, meine Leistung im Militär zu erfüllen. Aufgrund meiner Diabeteserkrankung gelte ich von vornherein als untauglich.

Im vergangenen Jahr erhielt ich überraschend Post vom Amt für Bevölkerungsverarsche und Armee. Wir schrieben das Jahr 2006 und man teilte mir mit, dass mein Einspruch aus dem Jahr 2000 abgelehnt wurde. Ich konnte mich nicht mal mehr an meinen schriftlichen Einspruch erinnern! Wahrscheinlich wurden die Beamten die vergangen sechs Jahre eingehend geschult, damit sie mit wenigen Klicks einen solchen Standardbrief ausdrucken konnten, den ich eben in den Händen hielt. Nun hatte ich 45 Tage Zeit um die vergangenen Jahre nachzuzahlen.

Meinem Unmut machte ich mit einem Mail an Bundesrat Sämi Schmid Luft. Ich wies darauf hin, dass ich als minderwertiges Mitglied unserer Gesellschaft durchaus in der Lage wäre, pro Jahr 3 Wochen WK in einer Beiz zu verbringen. Schliesslich war ich gut genug für den Zivilschutz, der mich nie aufbot und bin nun seit einigen Jahren in der Feuerwehr. Umgehend erhielt ich eine Antwort. Mein Mail wurde ans Finanzdepartement weitergeleitet, da das Militär nichts mit Militärpflichtersatz am Hut hat. Dort wiederum wurde mein Anliegen eingehend geprüft und ich erhielt eine Entschuldigung für die sechs Jahre Wartezeit sowie eine Empfehlung, meinen Einspruch doch weiter zu ziehen. Mein Arzt müsse mich nur zum Krüppel schreiben, dann beständen gute Chancen auf Erfolg.

Nach zwei weiteren Pflichtersatzrechnungen war mein Glaube an Gerechtigkeit endgültig erloschen und ich beugte mich dem bundesamtlichen Ratschlag. Mein Arzt erfüllte seine Pflicht und nach einigen Monaten wurde ein Entscheid gefällt. Mein Einspruch wurde erneut abgelehnt. Klar. Ich nutzte meine Möglichkeit, erneut Einspruch zu erheben und erfuhr innert wenigen Tagen, dass das Amt für Bevölkerungsabzocke und Armee keinen Einfluss auf meine Situation nehmen kann, da nur die Weisungen des Militärs befolgt werden. Da ich vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport allerdings schon wusste, dass dort ebenfalls niemand verantwortlich ist, erhob ich also erneut Einspruch und teilte mit, dass mich folglich die ganze Sache auch nicht betreffe. Wiederum dauerte es nur ein paar Tage und ich hatte schon wieder Post im Haus. Man habe mein Schreiben erhalten. Nach sieben Jahren stellten die netten Herren nun aber fest, dass dies gar nicht in ihre Zuständigkeit falle. Man leite das ganze an die Steuerbeamten weiter. Doch Achtung, deren Arbeit würde mich zusätzliche Ausgaben kosten!

Man sieht, der Steuerzahler ist nichts wert und der Staat geniesst seine Unantastbarkeit. Wenigstens wurde mit dem letzten Brief mein Spartip befolgt. Es muss ja nicht immer Eingeschrieben sein. Normale Post tut’s auch und kostet 4 Franken weniger. Nun gut, hätte ich einen Goldesel im Nacken wie Vater Staat, würde ich meinen Einspruch natürlich erneut weiterziehen aber unser einer muss ja fürs Geld arbeiten.

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